Drei Angebote für dieselbe Dachsanierung, drei Endsummen mit 15.000 Euro Unterschied. Das liegt selten daran, dass einer zu teuer ist. Es liegt daran, dass die drei nicht dasselbe anbieten. Hier ist die Checkliste, mit der du ein Dachdecker-Angebot Position für Position vergleichbar machst, bevor du unterschreibst.
Vorab: Pauschale oder Einheitspreise?
Ein seriöses Angebot listet Einheitspreise: Quadratmeter Eindeckung, laufende Meter First, Stück Anschlüsse, Stunden für Zimmererarbeiten. Nur so kannst du vergleichen und nur so ist später nachvollziehbar, was eine Mehrung kostet. Eine reine Pauschale „Dachsanierung komplett 38.000 Euro“ ohne Aufschlüsselung ist ein Grund nachzufragen, nicht abzulehnen: Bitte um eine Aufgliederung nach Gewerken.
Die 10 Positionen, die du prüfen musst
- Gerüst. Fehlt am häufigsten oder steht als „bauseits“. Das heißt: Du sollst es selbst besorgen. Prüfe, ob Auf- und Abbau, Standzeit und Verlängerung enthalten sind und ob das Gerüst alle Seiten des Hauses umfasst.
- Abbruch und Entsorgung. Ist die alte Deckung inklusive Container und Deponiegebühr enthalten? Bei Verdacht auf Asbest muss eine eigene Position für die Entsorgung als Sonderabfall stehen. Wer das übersieht, bekommt eine Nachforderung im vierstelligen Bereich.
- Unterspannbahn oder Unterdeckbahn. Muss mit Produktname und Klasse benannt sein. Eine diffusionsoffene Unterdeckbahn ist Standard; eine einfache Unterspannbahn ist günstiger und weniger sicher. Ohne Angabe weißt du nicht, was du bekommst.
- Lattung und Konterlattung. Neu oder bleibt alt? Bei einer Neueindeckung gehört beides neu, weil die alte Lattung selten zum neuen Ziegelmaß passt.
- Eindeckung mit Produkt. Hersteller, Modell, Farbe, Oberfläche. „Dachziegel rot“ ist keine Angabe. Der Preisunterschied zwischen Betondachstein und glasiertem Tonziegel liegt beim Material grob beim Faktor zwei.
- Anschlüsse einzeln. Kamin, Dachfenster, Lüfter, Antenne, Wandanschlüsse. Jeder Anschluss als eigene Stückposition. Wenn Anschlüsse fehlen, sind sie nicht kalkuliert und kommen als Nachtrag.
- First, Grat, Kehle, Ortgang, Traufe. Als laufende Meter mit dem jeweiligen Formteil. Hier verstecken sich Unterschiede: Trockenfirst mit Firstrolle ist Standard, vermörtelter First ist veraltet und rissanfällig.
- Dachrinne und Fallrohre. Material (Zink, Kupfer, Kunststoff), laufende Meter, Anzahl Fallrohre, Anschluss an die Grundleitung. Oft „optional“ und dann vergessen.
- Zimmererarbeiten als Eventualposition. Sparrenfüße, Pfetten, Aufdopplung: kein Betrieb kann das vor dem Abdecken sicher sehen. Ein gutes Angebot enthält eine Eventualposition mit Stundensatz und Materialpreis, ein schlechtes schweigt und rechnet später frei ab.
- Nebenkosten und Kleinteile. Anfahrt, Baustelleneinrichtung, Schneefang, Dachhaken, Sicherheitseinrichtungen, Befestigungsmaterial. Manche Betriebe rechnen einen Prozentsatz, manche einzeln, manche gar nicht.
So machst du drei Angebote vergleichbar
Leg eine Tabelle mit den zehn Positionen an und trag ein, was jedes Angebot dazu sagt: Betrag, „fehlt“, „bauseits“ oder „optional“. Dann ergänze bei jedem Angebot die fehlenden Positionen mit dem Wert aus dem ausführlichsten Angebot. Erst diese bereinigte Endsumme ist vergleichbar. In der Praxis schrumpft der Abstand zwischen dem günstigsten und dem teuersten Angebot dabei oft von 15.000 Euro auf 3.000 Euro, und manchmal dreht sich die Reihenfolge.
Sieben Warnsignale
- Angebot ohne Besichtigung vor Ort, nur nach Fotos oder Luftbild.
- Keine Produktnamen bei Bahn, Ziegel und Dämmung.
- Preis nur netto ausgewiesen, Mehrwertsteuer erst in der Fußnote.
- Hohe Anzahlung vor Baubeginn, mehr als ein Drittel.
- Kein Hinweis auf Gewährleistung, keine Eintragung in der Handwerksrolle nachweisbar.
- Rabatt nur bei sofortiger Unterschrift.
- Haustürgeschäft: Der Betrieb „war gerade in der Gegend“ und hat einen Schaden am Dach entdeckt. In diesem Fall gar nichts unterschreiben.
Was du vor der Unterschrift noch klärst
- Termin und Dauer schriftlich, mit Regelung bei Schlechtwetter.
- Zahlungsplan nach Baufortschritt, Schlussrate erst nach Abnahme.
- Förderung: Wenn du den BAFA-Zuschuss nutzen willst, muss der Vertrag eine Bedingung enthalten, dass er nur bei Förderzusage gilt, und der Antrag muss vor der Unterschrift gestellt sein. Beim Steuerbonus brauchst du vom Betrieb die Bescheinigung nach amtlichem Muster. Was seit Juli 2026 gilt, steht in der Kategorie Förderung.
- Dachfenster: Werden beim Neudecken alte Fenster mit getauscht, kläre vorher die passende Größe für die vorhandene Öffnung. Für VELUX-Fenster: VELUX Dachfenster austauschen in 5 Schritten.
Noch keine drei Angebote?
Anzeige – Partnerangebot von Aroundhome. Für vermittelte Anfragen erhalten wir eine Vergütung. Für dich ist der Service kostenlos und unverbindlich.
Über unseren Partner Aroundhome bekommst du Angebote von bis zu drei Dachdeckerbetrieben aus deiner Region und kannst sie mit der Liste oben prüfen.
*Partnerlink: Du wirst zu aroundhome.de weitergeleitet.
Häufige Fragen
Wie viele Angebote sollte ich einholen?
Drei. Weniger macht den Vergleich blind, mehr kostet Zeit ohne Erkenntnis. Wichtig ist, dass alle drei nach Besichtigung vor Ort erstellt wurden.
Ist das günstigste Angebot automatisch schlecht?
Nein. Es ist oft nur unvollständig. Erst nach dem Ergänzen der fehlenden Positionen siehst du, ob es wirklich günstiger ist.
Was ist eine Eventualposition?
Eine Leistung, die nur anfällt, wenn sich beim Abdecken ein Bedarf zeigt, etwa der Austausch morscher Sparrenfüße. Sie steht mit Preis im Angebot, wird aber nur abgerechnet, wenn sie ausgeführt wird. Das ist ein Zeichen für ein sauberes Angebot, nicht für einen Trick.
Darf der Dachdecker mehr abrechnen als im Angebot steht?
Nur für Leistungen, die du zusätzlich beauftragt hast oder die als Eventualposition vereinbart waren. Ungeplante Mehrungen muss der Betrieb vor der Ausführung anzeigen.
Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung. Bei Streit über ein Angebot oder eine Rechnung hilft die Verbraucherzentrale oder ein Bausachverständiger.